Hoch hinaus, aber nicht tief gefallen

von Matthias Stahl

Die Reise an die Zugspitze nach Garmisch-Partenkirchen stand unter keinem guten Stern: Sebi und Paul mussten ihre Teilnahme absagen, Matthias bekam eine Woche vor dem Lauf zum wiederholten Male eine Infektion. Und dennoch entschieden er und Olli, das Abenteuer Zugspitz Ultratrail (ZUT) auch mit dezimierter Mannschaft anzugehen. Mit Erfolg wie sich zeigte!

 

Anreise

Die Anreise erfolgte am Freitag. Die nun überdimensionierte Ferienwohnung gewährte einen wunderbaren Blick auf den Namensgeber des Rennens, der für die längste Distanz zu umrunden sein würde. Für Olli stand bei seinem ersten Trailrun-Wettkampf der Basetrail mit 24 km und 700 hm auf dem Plan, Matthias hatte für den Supertrail mit 68 km und 2900 hm gemeldet. Dass Olli den nach der Startunterlagenabholung besichtigten Zielbereich am nächsten Tag sehen würde, war ziemlich sicher. Matthias war sich wegen anhaltender Bauchprobleme und ungenügender Vorbereitung hingegen ziemlich sicher, den Lauf mit einem DNF vorzeitig abbrechen zu müssen. Die abendliche Pizza und die anschließende Portion Chiggie Nuggies muss jedoch Wunder gewirkt haben...

 

Race Day

Für Olli ging es am Samstag um 6:00 Uhr in der Frühe mit dem Shuttle nach Mittenwald, wo sein Lauf um 8:00 Uhr begann. Nicht genau wissend was ihn erwarten würde, ging es aus dem Ort hinaus und hinauf zum Lauter See und Ferchensee. Er fühlte sich gut und nahm auch die Steigungen laufend unter die Füße - im Gegensatz zu vielen Konkurrenten. Das wellige Profil im mittleren Abschnitt kam ihm als Westerwälder entgegen und den gut 300 hm langen Aufstieg von Schloss Elmau zum Wamberg ließ er ebenfalls zügig hinter sich. Der schwierigste Abschnitt war der äußerst steile Abstieg von der VP Eckbauer hinunter ins Tal, bei dem es auf knapp 3 km über 500 hm bergab ging. Unten angekommen am Fuße der Olympiaschanze waren dann noch flache 3 km hinein ins Zentrum zurückzulegen und Olli machte ordentlich Druck. Und dann die Überraschung beim Zieleinlauf: Vom Sprecher laut angekündigt für die Basaltköppe Tegi Runners startend wurde der drittplatzierte Senior Master Man Oliver Hain! In einem Starterfeld mit über 1200 Teilnehmern und bei seiner Trailprämiere wahrlich eine Sensation!

Als Olli sich im Ziel seine Medaille umhängen ließ, war Matthias gerade erst eine Stunde unterwegs. Es sollte ein langer Tag für ihn werden. Los ging es um 9:00 Uhr vom österreichischen Ehrwald aus zunächst zur Ehrwalder Alm. An der ersten VP nach 6 km fühlte er sich fitter als erwartet, was sich dann jedoch schnell änderte. Die Strecke führte über mehrere Jöchel und hielt neben traumhaften Ausblicken bei strahlendem Sonnenschein rund 1600 hm auf den ersten knapp 20 km bereit. Bereits zu diesem Zeitpunkt fühlten sich Matthias' Beine an, als würden sie bald krampfen. Gedanken an ein DNF waren omnipräsent. Die Frage war nicht ob, sondern nur wann und wo er das Rennen aufgeben würde. Da ihn an dieser Stelle aber ohnehin niemand hätte abholen können, hieß es Durchbeißen übers Scharnitzjoch (weitere 650 hm) und hinunter nach Leutasch (950 hm bergab), wo nach 32 km sein Ausstiegspunkt vordefiniert war. Der Support der Daheimgebliebenen und von Olli per Smartphone führte dann jedoch dazu, dass Matthias von dort die nächsten, leicht abschüssigen 12 km nach Mittenwald in Angriff nahm - mehr gehend als laufend. Die mehrminütigen Pausen an den VPs sorgten zumindest für kurzzeitige Linderung der Schmerzen in den Beinen und so reifte in ihm der Plan, es doch bis ins Ziel zu schaffen.

Entlang des Ferchensees und auf einer langwierigen Passage nach Elmau fühlte es sich an, als könnte jede Sekunde ein Krampf für das Ende sorgen. Aber die wechselnde Belastung flach, bergauf und bergab half, das fragile System in Gang zu halten. Auf zur letzten VP also. Noch einmal gute 300 hm, tatsächlich noch ein paar andere Läufer überholen und dann noch einmal innehalten vor dem schon beschriebenen brutalen Abstieg. 10 km vor dem Ziel gab es dann noch eine inoffizielle Versorgungsstelle. Hier wurden die Läufer mit der Ankündigung von Whiskey, Bier und Schnaps begrüßt. Matthias hielt an und ließ sich einen Gin-Tonic in den Faltbecher einschenken - verbunden mit der Hoffnung, er möge die Schmerzen betäuben...

Auf dem letzten Abstieg wurde Matthias immer wieder von anderen überholt, die offensichtlich frischere Beine hatten. Aber um Positionen und Zeiten ging es hier ohnehin nicht. Im Tal empfing Olli Matthias und begleitete ihn auf den letzten Kilometern. Motivierte ihn sogar, die letzten 2 km noch einmal zu laufen. Und dann war es nach über 11 Stunden tatsächlich geschafft: Finisher beim Supertrail - ein emotional großer Moment für Matthias...

So hatte sich die Reise in die Alpen letztlich doch gelohnt: Der eine hat sein Saisonziel mit dem ersten absolvierten Ultratrail erreicht, der andere wurde AK-Dritter bei einem großen Rennen mit nationalem Format. Schnitzel, Bier und Cuba Libre waren selten so verdient...

 

  Distanz Zeit Rang Männer Rang AK
Oliver Basetrail (24k) 2:04:29 h 85 / 581 3 / 117
Matthias Supertrail (68k) 11:19:27 h 126 / 335 77 / 177

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