Kampf mit Krampf - Stelvio-Marathon 2018
von Matthias Stahl
Am 16. Juni hat Basaltkopp Matthias es mit einem Großen der Berglaufszene aufgenommen – mit dem Stilfserjoch in Südtirol. Zum zweiten Mal fand dort unter dem Motto „Run To The Magic Pass“ ein Marathon auf die 2.757 m hoch gelegene Passhöhe statt. Ausgehend von Prad (915 m ü. NN) ging es nach einer 15 km langen flachen Schleife durch das Tal der Etsch über mehrere An- und Abstiege hinauf auf den Pass mit seinen weltbekannten Serpentinen. Für Matthias mit Erfolg: Nach anstrengenden und teils quälenden 5:42 Stunden und 2.500 Höhenmetern endete das Abenteuer Bergmarathon mit Platz 92 von 313. Hier sein Erfahrungsbericht (wer keine Lust oder Zeit hat – in diesem Absatz stand schon alles Wesentliche 😊).
„Das Stilfserjoch liegt im Vinschgau in Südtirol – meinem Lieblingsurlaubsziel. Und darum dachte ich mir, dass sich so ein Lauf doch gut mit einem Urlaub verbinden ließe… Gedacht, getan. Im März habe ich mich dann für das Event angemeldet und begonnen, ein paar längere Läufe ins Training einzubauen – leider ohne allzu viele Höhenmeter. Montags ging es dann mit der Familie in den Urlaub nach Südtirol, fünf Tage vor dem Marathon. Auf dem Weg zum Reiseziel konnte ich im Vorbeifahren aus der Ferne schon einen Blick auf die Passhöhe werfen – beim Anblick des Höhenunterschieds wurde mir bewusst, dass es eine Herausforderung werden würde. Was sich Tage später bestätigte. Mein Ziel war von Anfang an klar definiert: Oben ankommen. Innerhalb des Zeitlimits 😉.
Am Samstag ging es dann morgens früh los. Kleines Frühstück, Frau und Kind ins Auto (für die mentale Unterstützung vor dem Start), kurze Fahrt zum Startort, Kleiderbeutel abgeben (wurde dann auf die Passhöhe gebracht!) und noch den üblichen Toilettengang absolvieren. Mit etwas Verspätung fiel um ca. 8:15 Uhr der Startschuss für den Marathon. Die ersten gut 15 km sollten flach sein, daher war mein angepeiltes Tempo mein Wohlfühltempo (ca. 5:20 – 5:30 min/km), welches ich auch einhielt. Während die Spitzenläufer schnell enteilt waren, bildeten sich dahinter mit der Zeit kleinere Gruppen, in denen man etwas Smalltalk hielt – für die Läufer um mich herum war die flache Schleife ein ausgedehntes Einlaufen und so versuchte auch ich es zu sehen. Bei Kilometer 14 habe ich zum ersten Mal eine Verpflegungsstelle für etwas Wasser angesteuert und mich kurz darauf nochmal von meiner Familie anfeuern lassen. Motivation für den ersten harten Anstieg, der so steil war, dass keiner der Läufer um mich herum noch lief. Das war für mich sehr beruhigend, da auch ich dann in ein schnelleres Gehen verfiel.
Erst über einen breiteren Forstweg, dann über einen schönen schmalen Wandersteig ging es hinauf zur Halbmarathonmarke im Bergdorf Stilfs (1.300 m ü. NN). Schon auf dem Weg dorthin stellte es sich als Fehler heraus, die alten Treter für einen Abschiedslauf zu wählen, denn schnell hatte ich eine Blase an der linken Ferse, die ich am HM-Verpflegungsstand noch mit einem Pflaster zu schützen versuchte – vergeblich…
Danach wurde es richtig hart. Steile, kilometerlange Anstiege über die Baumgrenze hinaus, die wärmende Sonne im Rücken und einsetzende Krämpfe in den Oberschenkeln. Wenn jeder falsche Tritt dazu führt, dass man vor Schmerz nicht mehr weitergehen kann, freut man sich auf jede Verpflegungsstation. Diese habe ich allesamt ausgiebig genutzt – zum Essen, Trinken und Dehnen, in der Hoffnung, dass die Beine wieder lockerer würden. Dies passierte zwar leider nicht, aber die sensationellen Ausblicke auf Ortler und Co., die traumhaften Trails und der mehrere Hundert Höhenmeter hinabführende Abstieg zur Franzenshöhe machten den Kampf mit Krampf erträglich – und irgendwie sogar schön. Ebenfalls hilfreich war die ständige Unterstützung der zuhause gebliebenen Basaltköppe mittels Whatsapp-Chat – vielen Dank dafür, Jungs!
Die letzten knapp 7 km von der Franzenshöhe zur Passhöhe verliefen dann auf der Passstraße. 22 Kehren und 570 Höhenmeter mussten noch bewältigt werden. Die Kondition hätte zum langsamen Dauerlauf gereicht, die Beine hatten darauf jedoch offensichtlich keine Lust mehr. Daher entschied ich mich, aus den letzten Metern eine schnelle Wanderung zu machen – immer in gleichbleibendem Tempo, um den Krämpfen zu entgehen, die mich wie ein Gespenst ständig zu verfolgen schienen und nur darauf warteten, wieder zuzuschlagen. Meine Motivation: Kehren runterzählen (noch 16, noch 15, noch 14…), die Medaille und das Finisher-Shirt. Mit meinem gleichmäßigen Schritt konnte ich noch den ein oder anderen Läufer überholen und erst auf den letzten hundert Metern traute ich mich, noch einmal zu laufen. Für das Zielfoto 😊.
Am Ende bleiben viele Eindrücke und Erkenntnisse:
- Ich habe die Grenzen meines Körpers besser kennengelernt, aber auch wie ich mit ihnen umzugehen habe.
- Ich habe meine Lieblingsurlaubsregion noch einmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt, einer schmerzhaft schönen – mit wunderschönen Ausblicken bei traumhaftem Wetter.
- Es war eine tolle Veranstaltung, sehr gut organisiert. Einen großen Dank vor allem für die zahlreichen Verpflegungsstationen und deren Angebot und die freundlichen Helfer dort!
- Beim nächsten Mal sollte ich im Training mehr Höhenmeter absolvieren. Aber nein, es wird kein nächstes Mal geben… Obwohl… 😉